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Sonntag, 24.05.2020, Tagounite, Camping, 1.Schawwal 1441 Aid El Fitr Ende des hl.Monat Ramadam 8 (2.Nachtrag der vorne steht)

 

 

 

Sarah gestern: „Papa, wenn wir noch länger nicht fahren dürfen, haben wir Glück! Gerade haben 2 Männer einen Mangokern eingepflanzt dann können wir Mangos essen“.

 

So die Sicht eines Menschen der im Augenblick lebt. Danke, schön. So entspannt können wir, die Erwachsenen, das Ganze langsam nicht mehr sehen. Jetzt sind wir 9 Wochen hier auf dem Campingplatz und waren vorbereitet zur Weiterfahrt am 21.05. (siehe Bild alle maskiert). Der Gesundheitsnotstand wurde verlängert bis zum 10.06.2020. Wenn man auf die Seite der Fährgesellschaft geht, von denen wir ein offenes Rückfahrticket haben, gibt es dort einen Fahrplan erst ab Juli wieder. Wissen die mehr? Die Fluggesellschaft Royal Air Maroc hat schon vor Wochen allen die ein Ticket bis zum 30.06. haben einen Reisegutschein angeboten. Warten wir es ab. Die EU will ab 15.06. die Grenzen wieder öffnen, vielleicht fahren dann doch schon wieder Fähren, wir werden es sehen. Sonst geht es uns gut, wir hoffen, dass nachdem wir die Dattelblüte gesehen haben und die Entwicklung der Datteln jetzt über „mehrere“ Tage beobachten konnten (von Linsen- bis zur Olivengröße hin) dass wir die Entwicklung bis zur Ernte nicht auch noch in Echtzeit mitbekommen. Als wir ankamen wurde ein Feld angelegt und Rote Beete eingepflanzt und dann mit einigen tausend Litern Wasser bewässert. Diese Ernte werden wir wohl mit beobachten können. (Wir hatten immer gehofft schneller als Rote Beete loszukommen. Den „Wettlauf“ haben wir wohl verloren.) Wenn man wie wir genügend Zeit hat kann man auch in der Wüste Pflanzen wachsen und gedeihen sehen.

 

Wir haben nach wie vor keine Genehmigung um ins Dorf zu gehen um Einzukaufen aber wir werden gut versorgt vom Campingplatzbetreiber Hassan. Danke dafür. Heute zum Ramadanende gab es einen leckeren Teller mit süßem selbst gebackenen und nachher erwartet uns noch ein feines Mittagessen. Darauf freuen wir uns schon!

 

Wir wären bereit weiter zu fahren und hoffen dass es am 11.06. weitergeht. Genießen die Zeit hier dennoch mit Lesen, Spielen, schwimmen und dass wir Zeit als Familie füreinander haben. Somit auch ein Geschenk, diese Zeit.

 

 

 

Wünschen allen, dass sie auch Gutes für sich in dieser Zeit finden und genießen können.

 

 

 

Liebe Grüße aus dem heißen Südmarokko

 

 

 

Martin, Stephanie und Sarah  

 

 

 

 

 

PS: Sand in der Sonne

 

     Wasser im Regen

 

     Luft in dem Wind

 

     Blau so grün wie der Wald

 

     Alles ist warm alles ist kalt

 

(Martin Bucher, 24.05.2020)

 

Donnerstag, 23.04.2020, Tagounite, Camping Palmeria

 

Haben einen Nachtrag den wir aus redaktionellen Gründen aber davor stellen.

 

Ich fragte gerade Sarah was schreiben wir in die Homepage?

 

„Wir sitzen hier in der Palmerie, wir genießen die Sonne und das Wasser auf dem Feld das ab und zu vorbeifließt und uns geht es gut.“

 

So ist es, auch wenn vor ein paar Tagen ein kleiner Knick in der Stimmung bei uns Größeren sich zeigte. Zunächst die Information, dass die Ausgangssperre und somit Reiseverbot und Mundschutzpflicht in der Öffentlichkeit verlängert wurde bis zum 20.05.2020 mit evtl. Verlängerung und dann am nächsten Tag, dass der Flugbetrieb sowie der Fährbetrieb bis zum 31.05.2020 eingestellt sind. Okay also weiter Abwarten und Tee trinken und was uns sonst noch so alles einfällt siehe Bildergalerie. Eine Genehmigung zum Einkaufen haben wir nicht aber Hassan unser Campingplatzbetreiber besorgt uns die Dinge die wir brauchen. Herzlichen Dank dafür. Stephanie lernt dabei immer mehr was die verschiedenen Sachen auf Berber heißen und Sarah bekommt  vom Bruder von Hassan „Unterricht in der Berbersprache“.

 

Wir bekommen auch immer wieder Essen, herzhaftes, süßes etc. von Hassans Frau gekocht. Immer wieder lecker.

 

Würden uns wünschen, dass das Reiseverbot am 20.05. beendet wird und wir dann gemütlich bis zum 31.05. in Richtung Norden fahren können sind noch ca. 1000 km von hier. Dann wäre es schön wenn Spanien und Frankreich ihre Ausgangssperren auch beendet hätten und wir so wie wir es uns vorstellen zurückreisen können ein bisschen zügiger aber auf unseren Wegen. Inshallah ! Wir werden sehen! Ende Juni sollten wir dann auch wieder in Deutschland sein dann geht es weiter mit dem neuen Lebensplatz finden.

 

Wünschen Allen, dass sie auch wie Sarah sagen können „Uns/Mir geht es gut!! Da wo ich gerade bin“.

 

Gesundheit und Freude

 

 

 

Martin, Stephanie und Sarah 

 

Mittwoch 01.April 2020 oder 01.April im Jahre 0 des COVID-19, Camping Palmeria Tagounite, Südmarokko

 

 

 

In der Früh zwitschern die Vögel, Hähne krähen, Esel rufen, die Tauben gurren, mehrere Muezzins besingen den Morgen und der Fanfarenbläser der naheliegenden Garnison bläst zum Aufwachen, wir blicken hinaus, schauen auf Palmen, eines meist blauen Himmel und spüren den kühlen Wind. Dies ist jetzt seit einer guten Woche und wohl auch noch die nächsten 3 Wochen so, da wir hier auf Anordnung des Königs eine Fahrpause einlegen. Totales Reiseverbot und Ausgangssperre für uns und alle anderen Menschen. Wir dürfen nicht in die kleine Stadt,  bekommen aber von unserem Campingplatzbetreiber, wir sind die einzigen Gäste, jeden Tag ein Chubs (Brot), Tee und frisches (gechlortes) Wasser. Alle paar Tage kommt eine französische Frau, Inshallah, möge sie weiterhin kommen, die englisch spricht, was für uns existentiell ist, da wir leider kein Französisch können, vorbei und Stephanie kann mit ihr in die Stadt um Gemüse, Obst etc. einzukaufen. Sie war jetzt schon mehrere Tage nicht mehr da. Wir verbringen die Tage in „unserer“ kleinen Oase („Insel“) gemütlich mit Putz- und angefallenen Reparaturarbeiten an unserem zu Hause, mit Spielen, Lesen, HP aktualisieren, Verbindung nach Deutschland halten - alle sind gesund, Danke! - den Vögeln beim Zwitschern zuhören und Abends dem Mann der mit dem Lautsprecherwagen durch den Ort fährt und vermutlich alle an die Ausgangssperre erinnert, wir wissen es nicht da wir nichts verstehen.

 

Internet sei Dank können wir uns grob darüber informieren was hier in Marokko oder in Europa los ist, sonst fühlt sich das hier manchmal an wie in einer anderen Welt: wir haben nur vagen Kontakt zu 2-3 Menschen mit denen wir uns, sprachlich bedingt nicht austauschen können, und unsere kleine heile Familienwelt die sich nicht im Fahrmodus befindet.  

 

 

 

So ein kleiner Virus, oder die Angst vor ihm, bzw. der Krankheit, dem Tod hat wohl die Macht Maßnahmen auszulösen, die wir uns in unserer „heilen“ westlichen Welt wohl so nicht vorstellen konnten. Für uns sind „Heimsuchungen“ wie Pest, Cholera, „spanische Grippe“ (die nicht aus Spanien kommt) Geschichten aus dem Geschichtsunterricht. Zum ersten Mal ist unsere Generation mit einem Ereignis konfrontiert, dass weltumspannende politische Reaktionen (das Schließen von Grenzen) auslöst. Mit unserem Pass kennen wir das nicht, dass Grenzen für uns geschlossen sind. Für viele andere Menschen ist dies eine normale Realität.

 

Es ist zum ersten Male, dass es quasi weltweit ein Reiseverbot gibt, dies erinnert mich an ein Arbeiterlied „alle Räder stehen still wenn mein starker Arm es will“. Da stellt sich mir die Frage: wären intensiven Reaktionen nicht auch möglich für ein besseres Klima oder für ein besseres Miteinander. Jetzt haben wir Zeit darüber nachzudenken, jeder für sich persönlich: ist dieses Wirtschafts- Gesellschafts-System nicht zu fragil, was kann ich dafür tun dass es stabiler wird, nachhaltiger, gesünder, natürlicher?

 

 

Wir waren jetzt vor einer Woche dann doch überrascht welche Maßnahmen dieser Virus ausgelöst hat.
Vor ca. 6 Wochen hatten wir auf der Piste Assa – Tan Tan Kontakt zu einem Ehepaar aus der Schweiz, sie erzählten wo sie herkamen wohin sie wollten und dass sie eine Verlängerung ihres Aufenthaltes in Marokko schon bekommen haben. Eine gute Woche später trafen wir auf Burkhardt und Sabine, (vom Pistenkuh-Team), auch hier noch Gespräch über das Reisen. Wieder eine Woche weiter als wir uns auf einer Piste wieder Richtung Osten bewegten trafen wir 2 Menschen die erzählten unter anderem, dass sie Bekannte haben die jetzt von Indien nicht mehr nach Deutschland auf dem Landweg fahren können, da der Iran seine Grenzen geschlossen habe wegen dem Virus. Aha!

 

Weitere 2 Wochen vergehen für uns auf einsamen Wüstenpisten und in Tata, (Verletzung Sarah, alles wieder gut und Tajine essen)  bis zum nächsten Kontakt mit Offroadern in der Nähe vom Lac Iriki. Unser Gespräch ging fast ausschließlich über den Virus bzw. die ausgelösten Maßnahmen. Sie versuchen Marokko noch irgendwie zu verlassen, da sie Anfang April wieder bei der Arbeit erscheinen müssen. Die Fähren aus Tanger Med würden schon nicht mehr fahren. So so!!
- Wie wir erfuhren, konnten sie noch über Ceuta ausreisen. Danke Euch für die Infos und alles Gute. -
In den nächsten Tagen trafen wir auf der Piste, die gewöhnlich recht stark frequentiert ist, nur noch 2 Alleinreisende dann niemand mehr. Einer der Beiden war ein Deutscher, Beschäftigt in der deutschen Botschaft der uns mitteilte, dass auch keine Flüge mehr gehen wie alles weitergeht wisse er auch nicht.

 

Wir in unserer kleinen Reisewelt spürten, dass da draußen was vor sich ging, realisierten es nicht wirklich. Wir hatten kein Internet und konnten nichts recherchieren. Dann Mitten in der Sandwüste eine SMS meiner Schwester ob bei uns alles in Ordnung sei? Ja klar! (Wir hatten mit dem leeren Weinkarton endlich genug Material um einen Ritterhelm für Sarah zu basteln! Das war an diesem Tag unser dringendstes Thema.) Eine SMS des Handybetreibers, die Elektromärkte seien geschlossen! Wie? In Deutschland werden solche Konsumtempel geschlossen?! Was ist da los? Wir trotz allem losgelöst, im 20 km Rhythmus pro Tag einsam durch die Wüste schaukelnd, Tiere, Natur beobachtend, wahrnehmend:

 

Der einzige Milan den wir bislang in Marokko gesehen haben fliegt direkt über unsere Köpfe und der Foto ist einsatzbereit. Danke! Wir schauen aus dem Fenster, unsere Nachbarin, die Wüstenmaus zeigt sich kurz und baut an ihrem Bau weiter, ein Storch fliegt über den Lac Iriki, ein wundersamer grüner Vogel sitzt auf einem Gebüsch und und und… So reisten wir in einer anderen Welt. Die Einheimischen freundlich, distanziert, alles wunderbar.  

 

Wir waren weiter am Strecke planen: nach Auffüllen der Vorräte in Tagounite, Wäsche waschen und Internetrecherche, wieder auf die Piste weiter Richtung Osten. Denkste!
Wir kamen am 23.03. hier in Tagounite an. Wasserbehälter mit Seifen am Straßenrand. Soldaten mit Mundschutz, Desinfektionsmenschen im weißen OP-Anzug und Skibrille ... Wir entschieden uns intuitiv gleich mal einzukaufen, die Vorräte aufzufüllen. Soldaten mit Mundschutz kamen auf uns zu: wo wir herkommen, was wir hier machen. Antwort: „Reisen“. Nachdem wir erklärten dass wir schon 2 Monate im Land sind wünschten sie uns viel Glück und meinten auf Nachfrage dass die Campingplätze geschlossen seien.

 

Die Hotels, Restaurants, Teehäuser alles geschlossen. Wie kommen wir jetzt an Internet? Einkaufen ging noch, die kleinen Läden habe eine Sperre in die Läden gebaut, dass man keinen direkten Kontakt zum Verkäufer hat.

 

Ah ha! Alles sehr surreal für uns. Was tun? Internet, Wasser wäre wichtig also doch auf den örtlichen Campingplatz. So fuhren wir hierher. Alles still, leer, niemand zu sehen! Na klar, Mittagspause. Wir hatten Hunger und machten erstmal Brotzeit und parkten ein. Später kam ein Mann und fragte wie lange wir bleiben wollen 1- 2 Tage sagten wir. Wir füllten den Anmeldebogen aus. Internet würde es keines geben. Trinkwasser bringt er von zu Hause mit in Kanistern. Okay! Einige Telefonate später kam eine Französin die englisch sprach und erklärte wir dürfen den Platz ohne Genehmigung nicht mehr verlassen. Sie würde aber versuchen dass wir eine Genehmigung bekommen um einzukaufen. Haben wir bisher nicht. Sie organisierte Wifi und so bekamen wir mit, dass in Marokko ein totales Reiseverbot seit dem 20.03. – 20.04. besteht und alle Grenzen jetzt geschlossen sind.

 

So werden wir wohl mindestens bis zum 20.04. bleiben und dann schauen wir weiter. So sieht es jetzt aus.

 

Wir fühlen uns schon ein wenig privilegiert und sind dankbar, dass wir an diesem Platz gelandet sind um das Reiseverbot „auszusitzen“.

 

 

Vor einem Monat beschäftigten wir uns intensiv mit der Streckenplanung, ob wir nach Smara fahren sollen und wie wir von dort dann weiterkommen in den Nordosten. Entschieden auf Grund des uns vorliegenden Kartenmaterials im Navi, dass uns keine Pisten anzeigte, dies mal sein zu lassen. Suchten noch eine andere Piste nach Msied von Abathe aus. Sie fanden wir nicht und mehrere Einheimische meinten auch, dass es diese so nicht mehr gibt. Also wieder umplanen und so fuhren wir wieder zurück nach Tan Tan und dann auf eine weitere Piste Richtung Osten über Aiount Torkuz. So lernten wir: wir haben eine Idee, wir planen was, es geht nicht und dann erarbeiten wir uns eine andere Idee, planen diese und dann machen wir es ganz anders weil die Umstände es so von uns wünschen / erfordern. Dieses Lernfeld hat sich jetzt nochmals intensiviert, dass wir eine Idee haben, etwas planen und dann erstmal für ein paar Wochen stehen.! Um ein gutes, zufriedenes Leben zu führen ist Flexibilität, Annehmen was ist, eine sehr gute Idee stellen wir fest und lernen es auch immer mehr.

 

Dies wünschen wir allen Menschen vor allem jetzt und in dieser Zeit. Wir wünschen dass ihr achtsam seit zu Euch und zu allem, Euch nicht von der Angst besetzen lasst immer wieder Momente der Freude, des Wohlseins und des Verbundenseins wahrnehmen könnt, das scheint die beste Prophylaxe für jegliche Art von Infektion zu sein.

 

Wir sind gespannt wie alles weiter geht nach den Beschränkungen. Bis dahin allen alles Gute.

 

 

 

Martin, Stephanie und Sarah
   

 

PS: Wie wir schon andeuteten hätten wir uns gefreut, wenn die französische Frau mal wieder bei uns vorbeigeschaut hätte um mit uns einzukaufen. Heute erfuhren wir, dass sie gestern verstorben ist (nicht virusbedingt). Uff. Zum zweiten Mal dieses Jahr, zeigt sich der Tod uns ganz unerwartet. Wir vergessen immer wieder, dass er zum Leben dazugehört. Wir danken ihr, dass sie hier war, für ihre unkomplizierte, praktische Hilfe, Infos, Internet. Wir wünschen ihrer Seele eine gute Reise. (losgelöst von irdischen Reiseverboten)

 

Stephanie hatte heute die Möglichkeit mit jemand anderem vom Campingplatz einkaufen zu gehen sodass wir wieder gut versorgt sind. Danke!

 

 

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